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Thomas Thiemeyer

Wie lange hast du an deinem Buch „World Runner“ geschrieben.

Über den Daumen gepeilt 6 Monate. Wobei einen Roman zu schreiben ja ein fließender Prozess ist. Es beginnt irgendwann mit einer Idee, die aber nicht sofort umgesetzt wird, sondern mitunter Jahre braucht, um zu reifen. Wenn sie tragfähig ist, fangen Konzeption und Recherche an, was mitunter wieder etliche Monate benötigt. Der eigentliche Schreibprozess ist dann der geringste – wenn auch intensivste – Teil der Arbeit. Danach folgen noch etliche Korrektur- und Überarbeitungsphasen, die sich je nach Umfang und Komplexität ziehen können. Daher sind die 6 Monate wie gesagt nur ein Annäherungswert.

 

Warum hast du dich ausgerechnet für das Thema Geo-Caching entschieden?

Das hat mit meiner Vorliebe für „reale“ Abenteuer zu tun. Virtuelle Welten in allen Ehren, aber es geht doch nichts über das echte Erlebnis. Und Geocaching bietet Rätsel, Abenteuer und versteckte Geheimnisse direkt vor der eigenen Haustür. Man muss nicht nach Südamerika oder Afrika fliegen, sondern kann sich wie Indiana Jones fühlen, ohne teure, aufwändige und riskante Reisen anzutreten. Vor allem in Zeiten von Corona ein unglaublicher Spaß. Es ist eine verborgene Welt direkt vor unseren Augen – wieso hat da nicht längst schon jemand einen Roman drüber geschrieben?

 

Welcher Schauplatz in deinem Buch gefällt dir am besten?

Besonders eindrücklich, war das stillgelegte Stahlwerk in Völklingen. Hier hat mich dieses unverwechselbare „Lost Places“ Gefühl überkommen. Das Gefühl, einen vergessenen aber auch verbotenen Ort zu besuchen. Nirgendwo sonst kann man so intensiv spüren, dass wir Menschen nur vorübergehend auf der Erde sind. Kaum sind wir mal für ein paar Jahrzehnte fort, holt sich die Natur alles wieder zurück. Sehr faszinierend.

 

Mit welchem Charakter deines Buches hast du die größten Ähnlichkeiten.

Wenn ich jetzt Jeremy sagen würde, stünde ich schön dumm da, oder? J Nein, tatsächlich finde ich in mir eine Mischung aus Tim und Annika. Tims verantwortungsvolle Seite (schließlich bin ich Vater von zwei Söhnen), aber auch Annikas musisches Talent. Ich liebe es zu malen und zu zeichnen, aber auch Schlagzeug zu spielen – die Künste haben mich immer schon gereizt. Das habe ich meinen Eltern zu verdanken, die beide sehr kreativ waren (und sind).

 

Du arbeitest auch als Illustrator. Stand es schon zu Beginn an fest, dass du dein Cover selbst gestalten würdest?

Habe ich ja gar nicht. So gerne ich die Umschläge selbst gemacht hätte, der Verlag hat sich anders entschieden. Und so haben wir in Jann Kerntke einen jungen und hoch talentierten Künstler gefunden, der sowohl für die „Evolution“-Reihe, als auch für World Runner die Umschläge illustriert hat. Für letztere hat er sogar Innenillustrationen angefertigt - vermutlich besser als ich es selbst gekonnt hätte. Von daher bin ich nicht enttäuscht sondern hochbegeistert.

 

Du schreibst sowohl Bücher für Erwachsene als auch für Kinder. Was hat dir mehr Spaß gemacht zu schreiben?

Alles zu seiner Zeit. Ich liebe die Abwechslung. In Jugendbuch bin ich thematisch freier, muss mich dafür aber an strengere Schreibvorgaben halten. Im Erwachsenenbuch bin ich thematisch auf Thriller festgelegt, habe aber mehr stilistische und schriftstellerische Freiheiten - sprich: die eigentliche Textarbeit ist unkomplizierter. Hat also alles seine Vor- und Nachteile. Letztlich schreibe ich aber ohnehin die Geschichten, die ich selbst am liebsten lesen würde. Denn ich bin ja nicht nur Autor, sondern auch mein eigener Leser. Wenn mich meine eigene Geschichten nicht unterhalten, dann kann ich kaum davon ausgehen, dass andere davon unterhalten werden, oder?

 

Welches deiner Bücher hat dir am meisten Spaß gemacht zu schreiben?

Ich beantworte das gerne mit einer Gegenfrage. Mal angenommen, du wärst selbst Vater und jemand würde dich fragen: „Welches ist dein Lieblingskind?“, wie würdest du reagieren? Die Frage ist kaum zu beantworten. Ich habe zu jedem Zeitpunkt versucht, den bestmöglichen Roman zu schreiben – mit dem handwerklichen Rüstzeug, das mir zu Verfügung stand und mit den Themen, die mich damals beschäftigt haben. Ein Roman ist immer auch ein Spiegel deiner selbst - so, wie du dich auch ein Stück weit in deinen eigenen Kindern wiederfindest. Und der Ablauf ist auch ähnlich. Man hilft ihnen auf die Welt, man versorgt sie, schenkt ihnen Liebe, zieht sie groß, gibt ihnen alles mit auf den Weg, was einem wichtig erscheint und muss sie irgendwann freilassen. That’s Life. Aber welches das Liebste ist? Keine Ahnung.

 

Wie hast du reagiert, als du das erste Mal auf der Bestellerliste warst?

Ich habe das damals auf einer Reise erfahren und konnte es nicht glauben. Zwei Buchhandlungen lang habe ich gedacht: „da hat doch jemand einen Fehler gemacht.“ Bei der dritten konnte ich die Tatsache dann nicht mehr leugnen. Ein vollkommen irrationales und irreales Gefühl – aber genial!

 

Wer sind deine Lieblingsautoren? Welche Bücher von Ihnen würdest du weiter empfehlen?

Das wechselt ständig. Je nach meinen momentanen Vorlieben. Von Roald Dahl, über J.R.R. Tolkien, von Stephen King zu H.P. Lovecraft zu T.C Boyle. Momentan lese ich „Lovecraft Country“ von Matt Ruff und bin sehr begeistert. Ich stelle gerade fest, dass es bei mir eher Lieblingsromane gibt, als Lieblingsautoren.

 

Kannst du uns schon ein wenig verraten wie es weitergehen wird?

Klar, gerne. Nachdem ich in den letzten Jahren ziemlich viele Romane rausgepowert habe (im Schnitt 2 pro Jahr), werde ich es mal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Ich werde meine Backlist pflegen und Romane, die inzwischen bei den Verlagen ausgelaufen sind, in Eigenregie neu herausbringen. Wann was erscheint, erfahrt ihr am besten auf meiner Homepage www.thiemeyer.de. Idealerweise abonniert ihr gleich den Newsletter, dann bekommt ihr exklusive Vorabinfos und habt die Möglichkeit, signierte Exemplare bei mir zu erwerben.

 

Aber natürlich schreibe ich auch an etwas Neuem. Einem Jugendroman, der im Frühjahr 2022 erscheinen soll und in dem ich ziemlich viel, was gerade um uns herum passiert, verarbeite. Ein bisschen Walking Dead, ein bisschen Mad Max ein bisschen Independence Day. Vor allem aber ganz nah an den Figuren. Eine Survivalgeschichte, die spannend und abenteuerlich, aber auch lustig und zeitkritisch werden soll. Ich habe gerade viel Spaß daran. Lasst euch überraschen.

 

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